Das Filmforum der HBK präsentiert im Wintersemester 2014/2015:

   

 

Montag | 10.11.14 | 19:00 h

Armenien – Reisen ins Unbewusste

Die beiden Vorfilme unternehmen facettenreiche Reisen in eine je persönliche 'Terra incognita'; während Deborah Phillips die florale Landschaft jüdisch-arabischer Ornamentik poetisch durchstreift, wagt Gariné Torossian einen realen 'Trip' in die imaginierte Heimat ihrer armenischen Vorfahren. – Sergei Paradjanov scheint eine untergehende Kultur (ebenfalls Armenien) mittels einer überwältigenden Opulenz von Farben, Formen, Bildern, Klängen und Bewegungen vor dem Vergessen bewahren zu wollen. Der Sinnesrausch führt aber nicht zu einer Sinnentleerung, wohl aber werden Zeit, Sprache und Logik außer Kraft gesetzt in einer 'sensationellen' Filmerfahrung. (MB)

 

     
   

 

Deborah Phillips – Noor
6 min | 2003 | 16mm (16mm+Super8) | col | silent | OF | DE

Gariné Torossian – Girl from Mouch
5 min | 1994 | 16mm | col | sound | OFen+armenisch | CA

Sergei Paradjanov – Sayat Nova (Die Farbe des Granatapfels)
79 min | 1968 | DVD (35mm) | col | sound | OFarmenisch (UTen) | SU



NOOR oder "Ner", Licht. Licht + Farben= Hoffnung. NOOR ist meine Antwort auf einen nörgelnden Zeitgeist in Bezug auf die Möglichkeit, dass wir alle wieder mit Krieg konfrontiert werden könnten. Ein Stillleben mit Zeit als Versuch, Hoffnung zu schöpfen. Das Allam Haus in Isfahan wurde renoviert während wir dort waren. Das Haus wurde im Iran-Irakkrieg von Bomben getroffen. Andere Bilder im Film sind in Berlin und auf dem Land in Polen entstanden. (DP)
(http://films.arsenal-berlin.de/index.php/Detail/Object/Show/object_id/7283)

Girl From Moush is a poetic montage of the artist's journey through her subconscious Armenia. It is not an Armenia based in a reality but one, which appears, like the mythical city of Shangri-La, when ones eyes are closed. A mesh of traditional images 'engraved' in film, with haunting voice-over, and rich colors, music and rhythms that continues long after the film is over. The viewers are engaged and forced through unchartered landscapes of uncertainty and fascination.
(http://www.youtube.com/watch)

Sayat Nova (Die Farbe des Granatapfels) – Es scheint, als hätte ein Sammler eine untergehende Kultur besucht und einen multimedialen Katalog an Farben, Formen, Bildern, Klängen und Bewegungen zusammengestellt, die er vorm Vergessen bewahren wollte. Dann wirbelte er sie durcheinander und montierte sie so neu zusammen, dass sie der katalogischen Ordnungsstruktur entbehrten.
Und das ist durchaus reizvoll. Denn ansonsten werden (oft genug auch im Kunstkino, durch eine allzu aufdringliche Aufladung mit spezifischer “Bedeutung”) die einzelnen Sinneseindrücke stets unter eindeutige (meist psychologisch-dramaturgische) Zusammenhänge geordnet – und so entwertet. Ihrer eigenen Schönheit, Assoziationen usw. beraubt.
In “Die Farbe des Granatapfels ”nun werden all diese Sinnzusammenhänge – auch die der Zeit, der Logik, der Sprache, der Bewegung – einfach ignoriert. Das, was man sieht und hört, wird von dem, was normalerweise sein rationaler Hintergrund und Kontext ist, entfremdet, abgeschnitten – und steht nun für sich allein mit seinem Inneren und Eigenen, seinem Irrationalen, seinen unbewussten Assoziationen, untereinander nur verbunden über geheimnisvolle Netze, die keine säkularisierende Analyse umfassend aufdecken könnte.
So erscheint alles im Film einerseits fremdartig, andererseits aber auch auf eine Weise altbekannt, die nicht so recht benannt werden kann, weil sie nämlich das an den Dingen hervortreten lässt, was normalerweise über den “Sinn” und die “Logik” verdeckt wird. Dieses Gefühl anderer Wirklichkeit, die im Kino sonst nur angedeutet wird, ist hier derart durchgängig gegeben, dass “ Die Farbe des Granatapfels ” als eigenständige Wahrnehmungsform geradezu süchtig machen kann.
(Christian Heller, http://www.filmzentrale.com)


 

[ Abbildung oben: aus dem Film „Girl from Mouch“ von Gariné Torossian ]

 

Übersicht Winterersemester 2014/2015

 

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