Das Filmforum der HBK präsentiert im Wintersemester 2010/2011:

   

 

Montag | 13.12.10 | 18:00 h   [435 min]

Klassiker reloaded 24

Bela Tarr | Sátántangó (Satanstango)
| 435 min | 1994 | DVD (35mm) | HU

 

'Sátántangó' – nach dem gleichnamigen Roman von László Krasznahorkai - ist eine siebenstündige kinematografische Apokalypse, eine grandiose Reise in die Finsternis, in der sich Verfall, endlose Monotonie und das Scheitern aller Hoffnung vereinen. Gleichzeitig eine ästhetische Entdeckungsreise in Zeit und Wahrnehmung. Er spielt in der ungarischen Tiefebene, wo alles waagerecht ist, wo menschliche Siedlungen unendlich weit voneinander entfernt liegen. Und zugleich ist es das überragende Hauptwerk Bela Tarrs.
Die Protagonisten (…) leben auf einer stillgelegten landwirtschaftlichen Maschinenstation. In dumpfer Untätigkeit gehen ihre Tage vorbei. Jeder versucht, den anderen zu betrügen. Die meisten trinken - und wie: Es gibt eine Kneipenszene, deren großartige Dissonanz und finstere Verzweiflung einfach unglaublich ist. Ein Betrunkener lallt immer die gleichen Sätze, sinnlos bedrängt jemand die Frau, mit der er tanzt, sie wehrt ihn ab, um ihn dann wieder ranzulassen, sinnlos schlagen sich welche; betrunken liegt jemand auf einer Bank und lässt die Tanzenden ab und an über sein ausgestrecktes Bein fallen. Ein kleines Mädchen mit abstehenden Ohren quält Katzen, bevor sie sich umbringt. Ein dicker Doktor starrt durch ein Fenster auf das immergleiche Leben und schreibt auf, was geschieht. Das Aufschreiben ist seine verzweifelte Form der Welt- und Selbstvergewisserung. Ununterbrochen trinkt er dabei aus einer riesigen Korbflasche und raucht und geht erst hinaus - nach Tagen - wenn der Schnaps alle ist. Über schlammige Wege schwankt er gen Abend. Später kippt er um und bleibt liegen. Wie ein Stück Vieh wird er am nächsten Morgen ins Krankenhaus gekarrt. Eigentlich wollen die Einwohner fliehen, doch die graue Depression hat ihnen jede Entschlusskraft geraubt. So warten sie auf den Retter.

 

Béla Tarr geboren 1955 in Pecs, Ungarn. Von 1973 bis 1975 Hilfsarbeiter und Portier. Dann Studium an der Budapester Akademie für Theater- und Filmkunst. 1981 Gründungsmitglied des Filmstudios Tarsula. Seit 1985 unabhängiger Filmemacher. Charakteristisch für seine Filme sind lange Einstellungen und abstrakte Bilder. Großes internationales Aufsehen erregte seine Verfilmung von Krasznahorkais Roman Satanstango, an dem er rund sieben Jahre lang arbeitete.

 

Übersicht Wintersemester 2010/2011 - Klassiker reloaded 3

Übersicht Sommersemester 2010 - Klassiker reloaded 2

Übersicht Wintersemester 2009/2010 - Klassiker reloaded 1

 

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